Natürlicher Klimaschutz – nur wie? Chancen und Herausforderung
14.10.2026
Wie können Moore, Wälder und andere Ökosysteme wirksam zum Klimaschutz beitragen? Zum Abschluss der Themenwoche zum Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) beleuchtete Julia Pongratz dessen Potenziale und Herausforderungen.
Moore, Wälder und andere Ökosysteme sind wichtige natürliche Kohlenstoffsenken, deren Klimaschutzleistung jedoch zunehmend unter Druck gerät. Entwässerte Moorböden setzen große Mengen an Treibhausgasen frei, während Wälder durch Trockenheit, Stürme und Schädlingsbefall geschwächt werden. Hier setzt das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) der Bundesregierung an: Es soll den Zustand der Ökosysteme in Deutschland verbessern und ihre Widerstandsfähigkeit sowie ihre Klimaschutzleistung stärken. Bis 2029 stehen dafür rund 4,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Im Rahmen der Themenwoche präsentierten sich rund 50 geförderte Projekte und zeigten, wie sich natürlicher Klimaschutz in der Praxis umsetzen lässt.
Ein zentrales Ziel ist es, die Treibhausgasbilanz des Sektors Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (LULUCF) zu verbessern. Nach dem Bundes-Klimaschutzgesetz soll dieser Sektor im Jahresmittel der Jahre 2027 bis 2030 eine Netto-Senke von 25 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten erreichen. Das ANK soll dazu beitragen, dieses Ziel zu verwirklichen. Zu den wichtigen Handlungsfeldern gehören die Wiedervernässung entwässerter Moore und die Entwicklung artenreicher, klimaresilienter Wälder. Durch das Anheben des Wasserstands, beispielsweise mithilfe verschlossener oder regulierter Entwässerungsgräben, lässt sich die Zersetzung des Torfs und damit die Freisetzung von CO₂ verringern. Die Umsetzung solcher Maßnahmen erfordert jedoch die Abstimmung mit Flächeneigentümer und Bewirtschaftenden sowie Lösungen für konkurrierende Nutzungsansprüche. Die Nationale Moorschutzstrategie sieht deshalb vor, die jährlichen Emissionen aus Moorböden bis 2030 um fünf Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente zu senken.
Auch Wälder stehen im Fokus des Programms. Trockenheit, Extremwetter und Schädlingsbefall gefährden ihre Funktion als Kohlenstoffspeicher. Das ANK unterstützt daher den Umbau anfälliger Bestände hin zu artenreichen und strukturreichen Wäldern mit standortgerechten Baumarten, die besser mit veränderten Klimabedingungen umgehen können. Darüber hinaus kann die langfristige Verwendung von Holz, etwa im Gebäudebau, Kohlenstoff speichern und emissionsintensivere Materialien ersetzen. Dieser Beitrag zum Klimaschutz hängt allerdings von einer nachhaltigen Bewirtschaftung und der langfristigen Erhaltung der Ökosystemfunktionen ab. Die Beispiele zeigen, dass natürlicher Klimaschutz nicht auf einzelne Maßnahmen beschränkt ist, sondern ökologische Zusammenhänge, unterschiedliche Landnutzungsansprüche und langfristige Wirkungen berücksichtigen muss.
Bei der Abschlussveranstaltung der Themenwoche am 14. Oktober beleuchtete
Prof. Dr. Julia Pongratz die Chancen und Herausforderungen des natürlichen Klimaschutzes. Im Mittelpunkt standen neben den Potenzialen natürlicher Kohlenstoffsenken auch praktische und rechtliche Hürden sowie die gesellschaftliche Frage, welchen Vorrang der Schutz und die Wiederherstellung von Ökosystemen gegenüber anderen Landnutzungen erhalten sollen. Julia Pongratz fasste die zentrale Herausforderung folgendermaßen zusammen:
„Natürlicher Klimaschutz steht noch vor vielen praktischen und rechtlichen Hürden. Auch die Frage, welchen Vorrang wir dem Schutz und der Wiederherstellung von Ökosystemen gegenüber anderen Landnutzungen einräumen, ist politisch und gesellschaftlich nicht geklärt. Förderprogramme wie das ANK sind wichtige Schritte, um natürliche Kohlenstoffsenken zu stärken. Doch ohne ambitionierte Emissionsminderung lassen sich diese langfristig nicht erhalten. Naturschutz braucht Klimaschutz.“
Damit machte Julia Pongratz deutlich, dass natürliche Kohlenstoffsenken einen wichtigen Beitrag zur Begrenzung des Klimawandels leisten können, die Reduktion fossiler Treibhausgasemissionen jedoch nicht ersetzen. Die in der Themenwoche vorgestellten Förderprojekte verdeutlichen die Vielfalt möglicher Ansätze. Entscheidend wird sein, welche Maßnahmen sich langfristig bewähren und wie Klimaschutz, Biodiversität und weitere Ökosystemleistungen gemeinsam gestärkt werden können. Dafür braucht es wissenschaftliche Begleitung, verlässliche politische Rahmenbedingungen und die Zusammenarbeit von Forschung, Politik und den Menschen vor Ort.